Dein altes Leben auflösen

Das Leben kurz vor Weltreise Beginn

Dein Leben aber auch das deines Umfeldes werden sich verändern, egal wie lange du unterwegs sein wirst. Wir haben uns bereits sehr früh damit auseinandergesetzt und wollen unser altes Leben auflösen, alte Gewohnheiten abstellen und jeden Tag neu gestalten.
Dazu mussten wir Sicherheiten aufgeben, geliebtes zurücklassen und viel gewohntes umstellen. Doch wie haben wir unser altes Leben aufgelöst und was gehört dazu?

Kapitel 1 – Haushalt auflösen

Bestandsaufnahme:

Kündigst du deine Wohnung und ziehst aus, wirst du deinen Haushalt auflösen müssen. Alternativ kannst du natürlich auch alles einlagern, was jedoch mit erheblichen Mehrkosten verbunden ist. Welche Möglichkeiten du bei deiner Wohnung hast und welche Kosten bei der Einlagerung entstehen findest du in Kapitel 04 – Job, Wohnung und Auto unserer Weltreise Planung.
Da sich in den Jahren doch sehr viele Dinge ansammeln, solltest du zunächst mit einer Bestandsaufnahme beginnen. Dein altes Leben auflösen ist kein Zuckerschlecken, trenne daher zwischen:

  • Gegenstände von materiellem Wert (vstl. > 30€).

  • Gegenstände von materiellem Wert (vstl. < 30€).

  • Gegenstände von emotionalem Wert.

  • Lebensnotwendige Gegenstände oder Unterlagen.

  • Wertlose Gegenstände.

Gegenstände loswerden

Die Trennung hilft dir bei der Unterscheidung, welche Gegenstände du entrümpelst, verkaufen, einlagern oder auch zu verschenken sind. Wir sind dabei wie folgt vorgegangen:

  • Gegenstände mit materiellem Wert > 30 € wurden bei ebay, Shpock oder an Freunde und Familie verkauft.

  • Gegenstände mit einem materiellen Wert < 30 € wurden verschenkt (denkt hier auch an wohltätige Einrichtungen wie die Caritas). Klar, Kleinvieh macht auch Mist. Es ist natürlich auch möglich, diese Sachen versuchen zu verkaufen. Aufgrund des Aufwandes haben wir uns jedoch dagegen entschieden und die Zeit lieber in berufliche Nebentätigkeiten gesteckt, die lukrativer waren.

  • Gegenstände von emotionalem Wert sind um weiten schwieriger. Hier ist abzuwägen, ob die Gegenstände noch benötigt werden oder unnötige Überbleibsel aus alten Erinnerungen sind. Die dritte Lederjacke aus dem schönen USA Urlaub, in welchem man den schönsten Sonnenuntergang aller Zeiten gesehen hat, kann auch mal verkauft oder verschenkt werden. Wir haben uns mehr als zusammengerissen und wirklich nur das nötigste behalten.

  • Unter lebensnotwendige Unterlagen sind Dokumente oder Gegenstände gemeint, die du niemals vernichten solltest. Dazu zählen zum Beispiel

    • Geburtsurkunde
    • Originalzeugnisse
    • Impfpass
    • Medizinische Dokumente wie Röntgenaufnahmen oder Diagnose Bescheinigungen
    • Versicherungsunterlagen
    • Steuerrelevante Unterlagen
    • Wichtige Erbstücke

    Alle Dokumente, für die eine digitale Version nicht ausreichend ist, haben wir bei unseren Familien in einem gesammelten und sauber strukturierten Ordner untergebracht. In der Regel sollte das nicht mehr als ein normaler Leitz Ordner sein. Wenn du noch auf Nummer sicherer gehen möchtest, kannst du dir auch ein Bankschließfach mieten und deine Unterlagen dort unterbringen. Im Schnitt kostet dich ein Schließfach 70 – 80 € jährlich.

  • Wertlose Gegenstände sind bei uns auf dem Sperrmüll gelandet. Dazu zählten zum Beispiel alte Kerzen, Wohnungsdekorationen, Büromaterialien und all der Kram, welchen man nach einem Umzug nie mehr in die Hand nehmen wird.

Planung

Du solltest frühzeitig mit der Planung deines Auszuges starten. Wir haben 2 Monat bevor wir alle Zelte abgerissen haben und unser Leben auflösen, damit begonnen, Schritt für Schritt Möbel und Gegenstände zu verkaufen, verschenken oder zu entsorgen.
Hast du die Möglichkeit bereits früh bei Freunden oder Familie unterzukommen, kannst du das ganze Prozedere auch vorschieben und im Idealfall mietfrei für mehrere Wochen oder Monate unterkommen. Das spart nochmals ordentlich Geld.

Kapitel 2 – Versicherungen und Abonnements

Wie du vielleicht im Kapitel Finanzen bereits gelesen hast, ist es hilfreich eine Aufstellung aller Ausgaben zu erstellen. Dabei sollten auch alle Versicherungen und Abonnements enthalten sein. In vielen Fällen liegen nämlich unnötige Mitgliedschaften oder Versicherungen vor. Prüfe daher, welche du während deiner Weltreise noch wirklich benötigst. Notiere dir auch die Vertragslaufzeiten bzw. Kündigungsfristen. Meldest du dich in Deutschland komplett ab, wirst du dich in vielen Fällen auf ein Sonderkündigungsrecht stützen können. Um dir jedoch Schriftverkehr und Arbeit zu sparen, kündige innerhalb der Kündigungsfrist und du bist fein raus. Um dir ein Gefühl dafür zu geben, was alles anfallen kann, folgend unsere betroffenen Versicherungen und Abonnements, die wir vor unserem Reisebeginn gekündigt haben:

  • Deutsche Krankenkasse

  • Stromanbieter

  • Reisekrankenversicherung < 8 Wochen bei der DKV

  • ADAC Mitgliedschaft

  • Handyvertrag

  • Fitnessstudio

  • KFZ-Versicherung

  • Monatsticket für den öffentlichen Nahverkehr

  • Hausrat-, Glas- und deutsche Haftpflichtversicherung

  • Internet- / Festnetzanschluss

Für unsere Weltreise werden wir behalten:

  • Spotify

  • Netflix

Kapitel 3 – Abmeldung / Deutsche Meldepflicht

Ein sehr wichtiges Thema. Die Frage, ob du dich in Deutschland abmelden möchtest oder sogar musst hängt sehr stark davon ab, wie lange du verreisen möchtest, regelmäßige Heimatbesuche einplanst und was du mit deiner aktuellen Wohnung anstellst.

Wir habe die Möglichkeiten, die dir für deine Wohnung, den Job und das Auto zur Verfügung stehen in Kapitel 04 unserer Weltreise Planung zusammengefasst.

Entscheidung sowie Vor- und Nachteile einer Abmeldung

Durch das Meldegesetz, welches in einer aktualisierten Form seit November 2015 in Kraft getreten ist, wird die Scheinanmeldung stärker bekämpft. Bedeutet für dich, bei längerem Auslandsaufenthalt ist die Ummeldung zur Familie oder Freunden nur noch unter bestimmten Bedingungen rechtens. Welche Bedingungen das sind erfährst du auf dem sehr informativen Blog von wirelesslife.

Ebenso kannst du auf wirelesslife eine schöne und kompakte Zusammenfassung der Vor- und Nachteile der Abmeldung in Deutschland nachlesen. Wir haben uns relativ früh dafür entschieden, den Wohnsitz in Deutschland aufzugeben, weshalb wir in diesem Kapitel nur auf die Abmeldung eingehen.

Wohnsitz in Deutschland abmelden – die Fakten:
  • Bevor du dich abmeldest, sollte dir bewusst sein, dass du für gewisse Leistungen und Ansprüche einen Wohnsitz in Deutschland benötigst, dazu zählen unter anderem:

    • Wählen gehen
    • Ein Konto einer deutschen Bank eröffnen
    • Der Abschluss einer Vielzahl von Versicherungen
    • Die Anmeldung eines KFZ
  • Wann bist du verpflichtet, dich abzumelden?

    • Gibst du deinen Haupt- oder Zweitwohnsitz auf, ist dieser abzumelden
    • Bei einem Umzug ins Ausland
    • Bei einem Auszug ohne neue Wohn- bzw. Meldeadresse
  • Du solltest dabei auch die Frist im Auge behalten, die Frist zur Abmeldung ist

    • frühestens eine Woche vor dem Auszug;
    • spätestens zwei Wichen nach dem Auszug
  • Für die Abmeldung ist die Meldebehörde zuständig, in kleinen Gemeinden auch häufig das Ordnungsamt. Damit die Abmeldung durchgeführt werden kann, musst du deinen Personalausweis oder Reisepass mitbringen. Zwar kann die Abmeldung an vielen Meldebehörden inzwischen auch online, schriftlich oder per Fax durchgeführt werden, da du aber womöglich keinen neuen Wohnsitz nachweisen kannst, ist die Situation für die Meldebehörde kein üblicher Fall. Wir haben um Missverständnisse vorzubeugen daher lieber den persönlichen Besuch gewählt.

Tipp

Nehme nicht den Reisepass für die Abmeldung, da du mit großer Wahrscheinlichkeit einen Hinweis / Vermerk in deinem Reisepass erhältst, dass die Adresse nicht mehr gültig ist und keine neue vorliegt. Es ist bei der Einreise somit sofort ersichtlich, dass du keinen festen Wohnsitz hast, weder im In- noch im Ausland. Bei der Einreise ist das zwar kein Hindernis, die eine oder andere kritische Frage bei der Einreise oder bei der Beantragung eines Visums für einige Länder kann dir aber durchaus gestellt werden.

  • Nach erfolgreicher Abmeldung wird dir eine Abmeldebestätigung ausgestellt, die dir in vielerlei Hinsicht hilfreich sein kann.

    • Du kannst damit zügig und kostengünstig einen Reisepass im Ausland beantragen, da die Identifikation deiner Identität schneller möglich ist.
    • Die Kündigung von Verträgen wie Stom-, Internet- oder Telefon Dienstleistern ist möglich, da du das Recht auf eine außerordentliche Kündigung besitzt.

Tipp:

Du kannst bei deinen Versicherungen, Banken, und Vertragspartner eine freie postalische Adresse angeben, die keinen Bezug zu einer Meldeadresse vorweisen muss. So zum Beispiel die Adresse deiner Eltern oder eines Freundes. An die postalische Adresse wird, wie der Name vermuten lässt, der komplette Schriftverkehr gesendet.

Kapitel 4 – Nachsendeauftrag

Unabhängig davon, ob du noch einen Wohnsitz in Deutschland hast oder nicht, wirst du Post erhalten. Wohin soll diese aber gehen, wenn du dort nicht mehr wohnst? Du hast 2 Möglichkeiten, wie du damit umgehen kannst:

Postalischer Nachsendeauftrag

Du richtest bei der deutschen Post einen Nachsendeauftrag zu einem Familienmitglied oder guten/r Freund/inn ein. Diese Variante ist wohl die einfachste. Du kannst als Privatperson bereits für 26,90€ (12 Monate) oder 34,90€ (24 Monate) einen Nachsendeantrag bei der deutschen Post stellen. Deine Familie oder Freunde erhalten somit all deine Post, und können diese für dich aufbewahren bzw. bei dringlichem Inhalt auch öffnen und dir digital zukommen lassen.

Digitaler Briefkasten

Du nutzt einen Online Service und leitest die Post an ein Unternehmen, welches dir deine Post digitalisiert. Möchtest du deiner Familie all die Post nicht zumuten, kannst du diesen Service auch extern durchführen lassen. Es gibt bereits mehrere Anbieter, die deine Post digitalisieren und dir einen digitalen Briefkasten einrichten, in welchem du deine Briefe jederzeit und von überall auf der Welt einsehen kannst. Nach unserer Recherche sind vor allem 3 Anbieter zum momentanen Zeitpunkt interessant:

Deutsche Post

Die deutsche Post bietet mit der E-Post einen etwas abgeänderten Service an. Es handelt sich hierbei um die digitale Ergänzung deines Briefkasten. Einerseits kannst du per Web-Portal oder mobile App auf deine eingescannte Post zugreifen, andererseits werden alle originalen Postbriefe aufbewahrt und an eine deine hinterlegte Adresse oder Packstation versendet.

Kosten: 24,99 € / mtl.
Deutsche Post – tägliche Post online empfangen

Caya

Der Leistungsumfang von Caya ist umfangreicher als der, der deutschen Post. So kannst du zum Beispiel postalisch erhaltene Rechnungen direkt aus deinem Caya Account heraus bezahlen. Den Service gibt es in 3 verschiedenen Tarifmodellen.

Kosten:

  • Minimalist: 2,99 € / mtl.
  • Single: 9,99 € / mtl.
  • Family: 19,99 € / mtl.

Beachte jedoch, dass du den Nachsendeauftrag der deutschen Post in den monatliche Kosten berücksichtigen musst. Weitere Details findest du auf der offiziellen Website von Caya

Dropscan

Dropscan bietet zu jedem Account eine eigene Scanbox-Adresse. Diese kannst du an Kunden Freunde & Familie weitergeben, weshalb ein Nachsendeauftrag nicht zwingend erforderlich. Wichtige Unterlagen, die du gerne in Papierform besitzen möchtest, kannst du dir gesammelt an eine Adresse weiterleiten lassen. Auch hier gibt es 3 Tarifmodelle.

Kosten:

  • Pay as you go: 12,90 € /mtl.
  • Flat 20: 24,90 € / mtl.
  • Flat 40: 39,90 € / mtl.

Eine ausführliche Übersicht der Anbieter sowie die Vor- und Nachteile kannst du auf dem Wirelesslife Portal nachlesen. 

Unsere Entscheidung

Wir haben den Service von Scanbox kostenlos getestet und können sagen, das Konzept funktioniert sehr gut. Jedoch waren wir nicht bereit, 100 € – 300€ im Jahr für unseren digitalen Briefkasten auszugeben.

Kapitel 5 – Dokumente digitalisieren

Da du während deiner Reise nicht in der Lage sein wirst, all deine Dokumente in einem Leitz Ordner mit dir herum zu schleppen, wirst du deine wichtigen Dokumente digitalisieren müssen. Scanne dazu alle Unterlagen ein, idealerweise in Farbe und Speicher diese an mehreren Orten. Empfehlen können wir dir die Speicherung in einer Cloud und auf einem physischen Medium, wie zum Beispiel einem USB-Stick oder Notebook. Den USB Stick kannst du zusätzlich noch bei Freunden oder Verwandten zur Sicherheit bunkern.
Bevor du deine eingescannten Dokumente wie Geburtsurkunde oder Zeugnisse in die Cloud hochlädst, packe dies mit einem passwortgeschützten ZIP Archiv. So hast du noch eine zusätzliche Sicherheit, sollte der Cloud Anbieter oder dein Account mal gehackt werden und deine Daten in Fremde Hände geraten.
In unserem Beitrag zum Thema digitale Sicherheit auf Reisen erfährst du alles über sichere Passwörter und welche Maßnahmen wir für unsere Reise vorgenommen haben damit wir keinem Datendiebstahl oder Hack zum Opfer fallen.

Kapitel 6 – Kommunikation auf Reisen

Wir haben uns bereits früh die Frage gestellt, wie wir mit unseren Familien und Freunden weiterhin in Kontakt bleiben können. Während einer Langzeitreise können Monate oder sogar Jahre verstreichen. Das Leben auflösen bedeutet aber zum Glück nicht, auch seine Liebsten aufzugeben. Zum einen nutzen wir natürlich unseren Blog, um alle Liebsten auf dem neuesten Stand zu halten. Zusätzlich kommen weitere kostenlose Kommunikationsmedien zum Einsatz:

  • Internet- und Videotelefonie mit Hilfe von Google Hangout
  • Email
  • Chat mit Hilfe von Whatsapp

Da du mit großer Wahrscheinlichkeit eines Tages wieder in deine Heimat zurückkehren wirst, solltest du dir regelmäßig die Zeit nehmen und deine sozialen Kontakte auch auf Reise pflegen. Das Leben geht für alle weiter. Im worst case wirst du an Hochzeiten, runde Geburtstage oder lustigen Grillabende zuhause nicht teilnehmen können. Damit du nach deiner Rückkehr nicht komplett ahnungslos bist halte dich auf dem laufenden. Uns interessiert auch weiterhin, was in unserem Familien- und Freundeskreis passiert.

Kapitel 7 – Abschied von deinen Liebsten

Schmeiße vor deiner Reise nochmal eine richtige Party und haue mit deinen liebsten Menschen voll auf die Kacke. Du wirst Sie zwar danach noch mehr vermissen aber das bist du dir, deiner Familie und Freunden schuldig – schließlich haust du für eine lange Zeit ab.

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